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Vom Konzept zum Design – Douman Pour im Interview

Von: am 5. September 2014

Bildschirmfoto 2014-08-27 um 18.14.20„The Parlour“ und die Champagner Bar „La Boum“ in Frankfurt tragen seine Handschrift, für das Museum für Angewandte Kunst entwarf er eine Barinstallation: Douman Pour ist ein sehr erfolgreicher Interior Designer. Worauf es für ihn beim Einrichten einer Bar ankommt und was das Ziel von Bar Interior Design ist? Inspirationen vom Experten …

Douman Pour, wie entwickeln Sie Bar Interior Konzepte? Was ist Ihr Ausgangspunkt?

Zunächst muss man sich fragen, was die Bar für ein Ort sein soll. Grundsätzlich sind Bars Orte der Kommunikation und/oder Intimität. Für den Gast gibt es unterschiedliche Motive, eine Bar zu besuchen: er trifft sich dort zum Beispiel mit guten Freunden, oder er geht dorthin, um jemanden kennenzulernen. Als Barmacher muss ich mich entscheiden: Was für eine Bar will ich? Eine laute, schmutzige Bar oder eine intime, die ihre Gäste sanft in eine andere Realität entführt? Eine Mottobar? Mexikanisch? Was will ich bieten, gastronomisch und vom Erlebnis her? Welche Art Begegnungen finden dort statt? Die Antworten auf diese Fragen bestimmen die formale Ausgestaltung des Designs.

Hat die Örtlichkeit selbst Einfluss auf die Gestaltung?

Unbedingt. Man kann die Bar nicht ohne das Haus, in dem sie sich befindet, und nicht ohne seine Umgebung denken. Authentizität ist das große Stichwort. Ich kann sehr gut mit der Geschichte arbeiten, die der Raum hat. Einer Örtlichkeit etwas überzustülpen macht wenig Sinn. Besser ist es, den Raum und die eigenen Vorstellungen interagieren zu lassen. So entsteht etwas Einzigartiges.

Der Tresen als Arbeitsfläche ist ein essentieller Einrichtungsgegenstand für eine Bar. Braucht es mehr für eine Bar?

Nein, eigentlich nicht. Denn anders als in einem Restaurant, einem Ort, an dem in der Regel an Tischen gegessen wird, kann man in einer Bar durchaus auch stehen – „am Tresen stehen“. Das heißt, die Gleichung „Tresen + Hocker = Bar“ braucht es nicht.

Im Parlour in Frankfurt, das Sie eingerichtet haben, gibt es keine Spiegel. Warum?

Frankfurt ist eine Stadt der Eitelkeiten. Geld, Prestige spielen hier eine außerordentlich große Rolle. Mit dieser Eitelkeit wollte ich spielen. Es gibt im Parlour nur im Waschraum eine polierte Metallplatte, die das Spiegelbild schemenhaft zurückwirft. Man kann also nicht wirklich überprüfen, ob der Scheitel perfekt sitzt. Gleichzeitig kann man durch einen großflächigen Spionspiegel vom Waschraum in die Bar blicken. Der Waschraum ist damit scheinbar kein intimer Rückzugsort mehr – nur scheinbar, denn von außen kann man nicht hineinsehen. Interior Design kann auch zum Nachdenken anregen.

Gibt es Tricks, mit denen Inhaber kleinerer Bars, die sich nicht wirklich einen Interior Spezialisten leisten können, aus einer gewöhnlichen Bar eine besondere machen können?

Sie sollten herausbekommen, wer sie sind und was sie anbieten wollen. Es bringt nichts, die hundertste Havanna Bar zu eröffnen, es geht um Charakter und Distinktion. Es geht darum, seine eigene Interpretation zu kommunizieren und sich abzugrenzen. Wer darüber nachdenkt, wer er ist, welche Kunden er sich wünscht, welchen gastronomischen Schwerpunkt er setzten möchte, der kann eine authentische Atmosphäre schaffen, die besonders ist. Das Design dient der Idee.

Gibt es absolute NoGo’s? Was sind die schlimmsten Einrichtungsfehler bei Bars?

Kopieren. Wer nicht weiß, was er will, und fremde Konzepte nachmacht, endet im Desaster.

Was für Trends beobachten Sie?

Wir erleben in der Mixologie derzeit einen Quantensprung in der Qualität. Vergleichbar mit der Sternegastronomie gibt es heute Bars, die vor zwanzig Jahren unvorstellbar waren. Die Entwicklung der Trinkkultur bringt komplexere Fertigungstechniken mit sich. Als Interior Designer muss ich gemeinsam mit dem Barmacher herausfinden, inwieweit ich Einblick gewähren will in die Herstellung meiner Cocktails. Lasse ich absichtlich etwas im Verborgenen, zeige ich en detail, wie der Cocktail gemixt wird, oder eben nicht? All dies sind Entscheidungen, die sich im Interior Design widerspiegeln.

Welche Bar, die Sie nicht eingerichtet haben, hat Sie persönlich vom Design her beeindruckt?

Die „Apotheke“ in New York. Die Barkultur hat sich aus der Apotheke des Drogisten entwickelt. Und diese Geschichte ist in der Bar erlebbar.

Ihr Lieblings-Cocktail?

Old Cuban … Aber wenn ich ehrlich bin … Gin Tonic!

 Herzlichen Dank für das Gespräch!

www.pournoir.com


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